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Nordsee-Urlaub-Magazin

„JA“ MIT BLICK AUFS MEER
© Imke Oltmanns
Dieser eine Tag soll immer etwas Besonderes sein: Wenn ein Paar sich das Eheversprechen gibt, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Und immer öfter wird dieser Schritt nicht in einem Standesamt getan, sondern anderswo. Wo es schöner ist, wo das Paar etwas Besonderes erlebt hat und gerne auch, wo viel Natur ist. Am Strand etwa. „Ja“ sagen mit dem Meer vor Augen, mit Sand unter den Füßen und salzig-herbem Nordsee-Geruch in der Nase. Das hat schon was, nicht nur für Einheimische. Heiraten am Strand ist längst kein Geheimtipp mehr und niemand weiß das besser als die beiden Standesbeamtinnen im Wangerland, Lena Baumann und Christina Geerdes. „Wir könnten doppelt so viele Trauungen annehmen, aber das würden wir gar nicht schaffen“, erzählt Geerdes. Dabei bietet die Gemeinde von Mai bis September zusätzlich schon fast jeden Sonnabend Termine an. In Zahlen: 2018 nahmen die beiden Standesbeamtinnen 105 Trauungen am Strand vor. Ein rasanter Anstieg, denn im ersten Jahr, 2010, ließen sich gerade mal drei Paare am Meer trauen. „Mittlerweile finden gut 75 Prozent unserer Trauungen am Strand statt“, sagt Lena Baumann. Die Atmosphäre sei eben auch etwas Besonderes, darin ist sie sich mit ihrer Kollegin einig. Vor allem, sagen sie, sei die Stimmung entspannter.

Die Würde und der Strandsand

Die Gemeinde bietet für ihre Strandhochzeiten zwei Orte an: In Schillig und ein paar Kilometer weiter, in Hooksiel, stehen in den Sommermonaten nur wenige Meter von der Nordsee helle Pagodenzelte, in denen die Ja-Worte ausgetauscht werden können. Festlich geschmückt vermitteln sie inmitten der Natur einen feierlichen Eindruck. Und das ist nicht ganz unwichtig, denn: „Ein würdiger Rahmen muss gegeben sein, so steht es in der Trauordnung“, erklärt Geerdes. Warum die Menschen gleich neben der Nordsee heiraten wollen? „Da gibt es die verschiedensten Gründe“, sagt Baumann. Die beiden Frauen haben viele Beispiele parat: Erst kürzlich, so Baumann, habe sie am Strand von Schillig einen Mann und eine Frau getraut, die sich als Kinder an eben diesem Strand kennengelernt hatten, im Sommerurlaub. Andere hatten etwa ihren ersten gemeinsamen Urlaub an der Küste verbracht und wieder andere waren noch nie hier und erst auf der Suche nach einem besonderen Ort im Internet auf das Angebot gestoßen. Ines und Benjamin Tobias wiederum sind echte Küstenkinder, aufgewachsen im Ostfriesischen und fest verbunden mit dem Meer. Im August haben sich die beiden in einem der Pagodenzelte am Wasser trauen lassen. „Wir sind auch in unserer Freizeit viel am Strand, da lag es auf der Hand, dass wir hier heiraten“, erzählt Benjamin Tobias hinterher. Und alles war, wie sie es sich vorgestellt hatten: „Während der Trauung haben wir raus aufs Meer geguckt – so wollten wir das“, sagt er. Mit der nachgeschobenen Einschränkung, dass zwar gerade Ebbe gewesen sei, aber das ja nun mal auch zur Nordsee gehöre.

Vorsicht bei Sturm und Regen

Ebenso wie das etwas unberechenbare Wetter. „Wir sagen den Paaren immer vorher: Wir sind hier nicht in der Karibik“, erklärt die Standesbeamtin Geerdes. Heißt: Wind und Regen gehören zur Küste und können auch mal über eine Hochzeitsgesellschaft kommen. Die meisten nehmen das aber offenbar mit Humor und einem Sinn fürs Praktische. „Ich hatte schon mal eine Braut, die in Gummistiefeln unter dem Brautkleid kam“, schildert Geerdes‘ Kollegin Baumann. Immerhin: Hübsch geblümt sollen sie gewesen sein. Die Idee für ein solches Angebot entstand in der Gemeinde Wangerland aus Überlegungen, wie an der Küste mehr angeboten werden könne, als eben nur Strandkorb, Baden und Sport im Sand. So schildert es Friedo Gerdes von der Wangerland Touristik. Die erhofften touristischen Auswirkungen seien auch eingetroffen. „Ein großer Teil der Brautpaare, die am Strand heiraten, feiern auch im Wangerland ihre Hochzeit“, so der Touristiker. Und das generiere eben viele Übernachtungen und Umsätze für die Gastronomie. Die Gemeinde gebe sich aber auch viel Mühe mit den Heiratswilligen und oft genug gebe es Sonderwünsche. Gerdes berichtet von einer Braut, die per Pferd zum Traualtar am Strand reiten wollte. So geschehen, zur großen Freude des Brautpaars. Dann habe es ein Paar gegeben, das einen Strandkorb mit einer Nummer wollte, die ihrem Hochzeitsdatum entsprach. „So einen hatten wir gar nicht, also haben wir einen genommen, der noch keine Nummer hatte und haben ihn entsprechend gekennzeichnet“, so Gerdes. Das Brautpaar habe den Strandkorb dann für viele Jahre fest angemietet. Die beiden seien auch immer wiedergekommen und verbrachten den Urlaub dann in „ihrem“ Strandkorb. Zu bunt darf man es aber auch bei einer Strandhochzeit nicht treiben. Das geht aus dem Gespräch mit den beiden wangerländischen Standesbeamtinnen hervor und das wird auch bei einem Telefonat mit Beate Tripp deutlich. Sie ist Studienleiterin des Bundesverbandes der deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten und legt Wert darauf, dass die Eheschließungen ordnungsgemäß ablaufen. Heißt zum Beispiel: Der Datenschutz muss beachtet werden, unbeteiligte Dritte dürfen an der Zeremonie nicht als Zuschauer teilnehmen. An einem gut besuchten Strand im Sommer kann das schon eine Herausforderung sein. Nicht umsonst stehen die Zelte stets etwas abseits vom Hauptstrand. Dennoch: „Für die Standesbeamten ist das auch ein Spagat“, so Tripp.

Mehr Party als Zeremonie

Bundesweite Zahlen zu Trauungen an besonderen Orten hat der Bundesverband nicht, Einblicke in Entwicklungen aber schon. „Der Trend ist eindeutig: Weg von den Amtsstuben“, berichtet die Studienleiterin. Beliebte Orte sind Schlösser und Burgen, aber auch Gruben unter Tage oder Gewölbekeller. Oder eben der Strand. Gemeinsam haben diese Orte auch dies: Es können mehr Leute kommen. Viele der Paare, so berichtet Tripp, gestalten ihre Hochzeitsgesellschaften heute größer. Wo früher nur die Familien an der Trauung selbst teilnahmen, sind es heute auch größere Freundeskreise. „Die standesamtliche Trauung wird damit auch ein Ersatz für größere kirchliche Hochzeiten – so hören wird es öfter“, sagt sie. Die Gäste von Ines und Benjamin Tobias hätten möglicherweise zahlenmäßig auch in ein Trauzimmer im Rathaus gepasst. Allerdings haben sie ganz offensichtlich die Zeremonie am Strand, die leichte sommerliche Brise und die malerische Kulisse in vollen Zügen genossen.

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