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Nordsee-Urlaub-Magazin

DIE FREIHEIT DER FRIESEN
© Imke Oltmanns
Ihre Freiheit war den Küstenbewohnern schon vor Jahrhunderten sehr wichtig. Machtansprüche fremder Herzöge oder Bischöfe wurden stets abgeschmettert. Man verwaltete sich selbst – und traf sich dazu am Upstalsboom.

Die Bewohner ländlicher Regionen gelten nicht selten als etwas eigen. So wird den Küstenbewohnern an der niedersächsischen Nordsee – den Friesen und Ostfriesen – eine gewisse Sturköpfi gkeit nachgesagt, ebenso wie die ausgeprägte Abneigung, viele Worte zu machen. Vor allem aber gelten sie als freiheitsliebend, ein Charakterzug, der schon vor Jahrhunderten zu einer historischen Besonderheit führte, der sogenannten friesischen Freiheit. Dahinter verbirgt sich eine jahrhundertelang anhaltende Gesellschaftsform, die keine fremden Herren von außerhalb duldete und in der jeder Mensch über sich selbst und sein Eigentum frei bestimmen konnte. Selbstverwaltung und Mitbestimmung zeichneten das Leben an der Küste schon im Mittelalter aus.
Die Ostfriesische Landschaft, ein Kommunalverband und eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Aurich, forscht zur Geschichte der Küstenbewohner. Seit 1050 konnte Ostfriesland alle fremden Machtansprüche – sei es von Herzögen oder Bischöfen – abwehren, heißt es bei der Landschaft. Begehrlichkeiten gab es sicher genug; das Land war fruchtbar und sorgte dafür, dass ein gewisser Wohlstand herrschte. Das Zusammenleben der Menschen wurde natürlich trotzdem geregelt; nur stellten die Friesen diese Regeln eben selbst auf. Es wurden Rechtssatzungen erarbeitet und in Klöstern verwahrt. Besprochen, beschlossen und bei aktuellen Streitfällen angewendet wurden sie von Vertretern der einzelnen Gemeinden, die sich dazu um Pfi ngsten am sogenannten Upstalsboom trafen, einem ehemaligen Grabhügel im heutigen Auricher Stadtteil Rahe. Die Regelungen sollten für den inneren Frieden der Gemeinden an der Küste sorgen und sie zugleich stark machen für den Kampf gegen fremde Herren. Die Hochzeit der friesischen Freiheit – und die nachweisbaren Treffen am Upstalsboom – dauerten von etwa 1100 bis 1327. Später entstand das Häuptlingswesen, bei dem einzelne ostfriesische Familien immer mehr Macht auf sich vereinten und sich dann auch untereinander bekriegten. Das Recht auf Selbstbestimmung des Einzelnen aber wurde auch von den Häuptlingen nicht angerührt.

Ein stiller Ort

Das Upstalsboom-Gelände gehört der Ostfriesischen Landschaft, die es pfl egt und per Hinweistafeln Besucher über die Bedeutung des Ortes aufklärt. Oben auf dem alten Grabhügel steht eine große Steinpyramide, die allerdings erst in den 1830ern von der Ostfriesischen Landschaft selbst errichtet wurde, um die Bedeutung des Ortes hervorzuheben. Wie es dort tatsächlich aussah, als man sich im 12. Jahrhundert zu Pfi ngsten traf, ist unbekannt. Heute ist es ein eher stiller Ort, ein gras- und baumbewachsener Hügel, eingebettet in die ostfriesische Wallheckenlandschaft und ausgestattet mit Sitzbänken. Auf denen man sich wunderbar überlegen kann, was damals wohl schon alles besprochen und geregelt wurde.

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