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Nordsee-Urlaub-Magazin

Mit dem Rad ins weite Land
© Imke Oltmanns
Dieter Fecht ist ein hagerer Mann und wie könnte es anders sein. Er ist praktisch ständig in Bewegung: Mit dem Rad zur Arbeit, mit dem Rad wieder nach Hause, Besorgungen per Rad, Radtouren im Urlaub und am Wochenende die Pflege der ostfriesischen Radwanderwege - per Rad natürlich. 8000 bis 9000 Kilometer fährt er im Jahr, schätzt der 63-Jährige. Auch an diesem Tag, einem Sonnabend im August, hat Fecht bis zum Treffen in Remels im Kreis Leer schon Dutzende Fahrradkilometer hinter sich, im Schlepptau einen kleinen Anhänger mit Reinigungsmitteln, Lappen, einer kleinen Leiter und Ersatzschildern. Denn neben seinem Beruf als Gartenbauingenieur fährt er im Auftrag des Landkreises Leer regelmäßig etwa 1300 Kilometer Radwanderwege in der Region ab, kontrolliert die Strecken auf ihre Qualität und sorgt vor allem dafür, dass die 5000 Schilder auf diesen Wegen ordentlich aussehen und gut lesbar sind. Das ist wichtig, damit die Radler zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter auf den ersten Blick erkennen können, wo’s langgeht.

Der Fahrradtourismus ist ein großes Thema an der Nordseeküste. „Tatsächlich ist es ein Kernthema bei uns, etwa auf gleicher Stufe wie das Wattenmeer“, berichtet Wiebke Leverenz vom Tourismusverband Ostfriesland Tourismus. Die Nachfrage nach dieser Art von Urlaub sei groß. Und sie ist offenbar auch Ausdruck einer ganzen Entwicklung: „Aktiv sein in der Natur ist ein extrem starker Trend in der Gesellschaft“, beobachtet die Touristikerin. Und dann gibt es da noch die E-Bikes, die das Treten der Pedalen so unendlich viel leichter machen. „Diese Entwicklung führt dazu, dass die Leute bis ins hohe Alter mit dem Rad unterwegs sein können“, so Leverenz. Und nicht zu vergessen: Ostfriesland hat noch einen unschlagbaren landschaftlichen Vorteil: Es ist flach. Die einzige Erhebung ist der Deich, das einzige Hindernis der Wind. Und selbst der kommt nicht immer von vorn.

Die Tourismus Marketing Niedersachsen (TMN) - eine 100prozentige Tochtergesellschaft des Landes Niedersachsen – liefert konkrete Zahlen zum Trend: So wurden im Jahr 2014 gut 1,2 Millionen Urlaubsreisen in Niedersachsen gemacht, bei denen Rad gefahren wurde. Das entspreche rund 22 Prozent aller Urlaubsreisen in Niedersachsen, heißt es weiter. Die mit Abstand meisten davon finden in der Küstenregion statt: Zu den Top-3 nachgefragtesten Regionen für Radler in Niedersachsen gehören nach Angaben der TMN neben der Lüneburger Heide eben die direkte Nordseeküste und das darunter liegende Ostfriesland.

Dass immer mehr Gäste per Fahrrad unterwegs sind, beobachtet auch Dieter Fecht. Und er hat seine eigene Erklärung dafür: „Ostfriesland ist interessant geworden, weil es noch Weite bietet und viel Natur.“ Auch die Wahrnehmung, dass das Leben hier ruhiger und langsamer laufe als anderswo, lasse viele Urlauber sehnsüchtig in den Nordwesten blicken, meint er. Damit sie auf den vielen Radwegen stets schon und im Vorbeifahren erkennen können, welche Richtung einzuschlagen ist, und wie viele Kilometer es noch bis zum nächsten Ziel sind, zieht der 63-Jährige regelmäßig los, klettert unzählige Male auf seine Leiter und putzt die Schilder.

Aber das ist bei weitem nicht die einzige Beziehung, die Fecht zu den Routen hat. Viele hat er selbst seit Mitte der 1990er Jahre mitentwickelt. Nicht schwer für den passionierten Radfahrer: „Die heimischen Wege kenne ich ja sowieso.“ Sprich: Fecht weiß auch ohne Routenplaner, wie er von A nach B kommt, ohne die großen Verkehrsadern nutzen zu müssen. Er weiß, wo es sich gut fahren lässt und wo man zu Kaffee und Kuchen einkehren kann. Und im Zweifel weiß er auch, wo es links und rechts des Weges Interessantes zu sehen gibt. Da helfen aber auch die Tourismusverbände aus, denn die wissen, wie wichtig das Ausweisen kultureller Angebote für die Gäste ist: Kirchen und Mühlen entlang der Radwanderwege sind gern angefahrene Ziele.

Der Tourismusverband Ostfriesland Tourismus bietet fünf große Radwanderwege mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten sowie zahlreiche Tagesausflüge mit dem Fahrrad an. Insgesamt führt das Streckennetz über 3500 Kilometer. Die pflegt natürlich nicht alle Dieter Fecht. Ein paar Kollegen hat er dann doch.

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