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Nordsee-Urlaub-Magazin

Fit für das wilde Leben
© Seehundstation Nationalpark-Haus Norden-Norddeich
In der Seehundstation werden mutterlose Tiere aufgezogen und anschließend ausgewildert.

Hätte die Nordseeküste ein eigenes Wappentier, dann wäre das zweifellos der Seehund. Kein anderes Tier wird von den Einheimischen und Gästen gleichermaßen als so typisch für die Region angesehen wie die Meeressäuger. „Eigentlich sind sie wie Botschafter“, fi ndet Dr. Peter Lienau, der es nun wirklich wissen muss: Er leitet die Seehundstation Nationalpark-Haus Norden-Norddeich, wo jedes Jahr zwischen 80 und 150 verwaiste Seehundwelpen aufgezogen werden. Und wohin jedes Jahr rund 250 000 Gäste kommen, um mehr über diese Tiere zu erfahren. Und damit eben auch über ihren Lebensraum, die Nordsee und das Wattenmeer. Dabei ist die Station kein neues Heim für die Tiere. Aufgenommen werden junge Seehunde, die durch Stürme oder menschliche Störungen von ihren Müttern getrennt wurden und allein noch nicht überleben können. „Wir machen die Welpen dann fi t für das Leben in der Nordsee“, so Lienau. Wenn sie kräftig genug sind – im Schnitt dauert das etwa 60 Tage – werden sie wieder ausgewildert.

Konkret läuft das oft so: Werden vereinzelte Tiere an den Stränden gefunden und der Station in Norddeich gemeldet, entsendet diese einen ihrer mehr als 100 speziell geschulten Wattenjagdaufseher, die über die ganze Region verteilt leben. Die prüfen, ob das Tier wirklich Hilfe braucht. Erst wenn das tatsächlich der Fall ist, wird der Seehund abgeholt und zunächst in eine Quarantänestation gebracht. Eine Tierärztin wirft einen ersten Blick, denn nicht alle Tiere haben eine Chance. „Zehn bis 18 Prozent der Seehunde, die zu uns kommen, sind nicht überlebensfähig“, erklärt Lienau. Die anderen werden langsam aufgebaut, erst mit Elektrolyten und einer Lachsemulsion, später dann mit Fisch, meist Hering. Auch der Muskelaufbau wird durch Bewegung gefördert. Besucher der Seehundstation können die Fütterungen und das Spielen der Seehundwelpen in den Wasserbecken übrigens aus nächster Nähe beobachten – für viele Gäste mit Kindern ein echtes Highlight.


Jagd auf Seehunde

Die Seehund-Population im niedersächsischen Wattenmeer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert. 1975 wurden gerade mal 1019 gezählt, dieses Jahr sind es 9900. Gezählt wird übrigens aus der Luft, per Flug über Sandbänke und Strände, auf denen die Tiere ruhen. Wobei das Zählen auch eher eine neue Erscheinung ist: „Früher, etwa um 1900, hat man sich überhaupt nicht um Seehunde gekümmert“, berichtet Lienau. Sie waren eben da und wurden von Fischern als Konkurrent um die Fischbestände auch bejagt. Tatsächlich wurden die Tiere in das Jagdrecht aufgenommen, sind seit den 1970ern aber ganzjährig geschont. Wie viele Seehunde es um 1900 vor den Küsten Niedersachsens gab? Lienau zuckt mit den Schultern, grobe Schätzungen gehen von zehn- bis vierzehntausend aus, sagt er, aber wie könne man das schon genau wissen. Auch habe sich die Population nach Einstellung der Jagd nicht gleich wieder stabilisiert. Die Hypothese: Umweltgifte gelangten über die Flüsse in die Nordsee und machten auch den Tieren das Überleben schwer. Erst seit den 1980er Jahren steige der Bestand wieder an. Die Seehundstation könnte dabei eine Rolle gespielt haben, allerdings: „Wir sind hier nicht der Retter der Population“, schränkt ihr Leiter ein. Er und seine Mitarbeiter würden eher einzelnen Tieren individuell helfen. Ganz unbeeinträchtigt leben die Tiere allerdings auch heute nicht. Und Peter Lienau macht keinen Hehl daraus, wo die Probleme seiner Ansicht nach entstehen: „Die größte Gefahr für die Tiere ist und bleibt der Mensch!“ So würden die Seehunde oft in ihren Ruhezonen an den Stränden gestört, von Spaziergängern, von Hunden, von Wassersportlern. Und das sorge auch immer wieder dafür, dass junge Welpen von ihren Müttern getrennt und damit möglicherweise ein Fall für die Station in Norddeich würden. Die Lösung? „Der Mensch muss einfach den Lebensraum der Seehunde akzeptieren“, sagt Lienau. Und der Nordseestrand ist eben manchmal deren Schlafzimmer.

www.seehundstation-norddeich.de

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