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Nordsee-Urlaub-Magazin

SCHÖPFWERK SIEL&PRIEL
© Katrin von Harten-Wübbena
Seit mehr als 1.000 Jahren gibt es Siele im Deich, die verhindern, dass das Festland durch Regenwasser überflutet wird.

Immer zum Niedrigwasser stehen Hafenmeister Dennis Pelka von der Sielacht Wittmund oder sein Stellvertreter Volker Thomssen im Schöpfwerk in Harlesiel bereit. Dann öff nen sich die äußeren Sieltore im Deich und das überschüssige Regenwasser, das sich in der Harle, den angrenzenden Flüssen und im Hafen angesammelt hat, fl ießt ins Meer ab. Ein Siel ist ein Gewässerdurchlass im Deich, durch das kontrolliert Wasser abgegeben werden kann. „Wir sind dafür da, um die Wasserstände im Inland zu regulieren“, erklärt Pelka. Bei hohem Niederschlag wird das Binnenwasser aus der Harle und den angrenzenden Gewässern ins Meer abgegeben, bei Trockenperioden wird das Wasser hingegen im Harlesieler Hafen zurückgehalten.

Die Funktionsweise eines Siels hat sich bis heute kaum verändert. Ihno Flessner, der 33 Jahre als Hafenmeister im Schöpfwerk tätig war, ist ein wandelndes Lexikon, wenn es um Fragen rund um die Geschichte des Deichbaus geht. „Um das Jahr 1000 integrierten Pioniere Siele in die Deiche, um zu verhindern, dass das Festland durch Regenwasser überfl utete. In Harlesiel wurde die Fortsetzung des Flussarms der Harle ins Wattenmeer, der sogenannte Priel, zum Siel“, erläutert der 64-Jährige. Die ersten Siel-Anlagen bestanden aus einem Holzrohr mit einem Klappventil. Bei Niedrigwasser drückte das Binnenwasser gegen die Klappe, die sich daraufhin öffnete. Das Wasser floss ins Watt. Sobald die Flut kam, drückte das Wasser die Klappe wieder automatisch zu. „Wir arbeiten heute im Prinzip immer noch so. Allerdings haben wir ein Hubtor, das wir schließen und öff nen können“, erklärt Pelka. Mechanisch, aber auch per Hand, kann das acht Meter breite Tor hoch oder runter gekurbelt werden. „Das Tor wird je nach Niederschlagsmenge voreingestellt, um einen Ausgleich der Gewässer während des Niedrigwassers zu ermöglichen“, sagt Thomssen. Das Hubtor gewährleistet zudem eine doppelte Deichsicherheit, die es damals bei den ersten Sielen nicht gab. Die doppelte Deichsicherheit spielt vor allem bei Sturmfl uten eine zentrale Rolle. Darüber hinaus ist das Hubtor aber auch zum Stauen des Binnenwassers von Bedeutung. „Früher lief die Harle einfach leer. Jetzt hat sie immer den gleichen Stand und zwar einen halben Meter unter Normalhöhennull (NHN)“, sagt der Hafenmeister.

Bei Sturmfluten öffnen sich die Sieltore in der Regel nicht. „Dann greifen wir auf unsere Pumpen zurück, die das Binnenwasser nach außen befördern“, erklärt Flessner. Drei Pumpen, alle mit einem 450 PS Elektromotor ausgestattet, befördern jeweils acht Kubikmeter Wasser pro Sekunde ins Wattenmeer.

Dennis Pelka und Volker Thomssen von der Sielacht Wittmund führen auf einer Fläche von 22.070 Hektar das überschüssige Oberflächenwasser durch das Schöpfwerk, das in den Jahren 1953 bis 1956 in Harlesiel neu errichtet wurde, in die Nordsee ab. Die zu regulierenden Gewässer erstrecken sich auf eine Gesamtlänge von etwa 275 Kilometer. Die Harle als wichtigstes Gewässer hat eine Länge von circa 23 Kilometern. Jeder Grundstückseigentümer im Niederschlagsgebiet der Harle ist Mitglied der Sielacht Wittmund. Das Gebiet erstreckt sich von den Ortschaften Brockzetel, Spekendorf im Landkreis Aurich über die Stadt Wittmund bis hin in die Gemeinde Wangerland (Middoge, Elisabethgroden) des Landkreises Friesland.

Von April bis Ende Oktober übernimmt das Duo noch eine weitere Aufgabe. „Wir schleusen kleine Sportboote, die eine Breite von acht Metern und eine Länge von 18 Metern nicht überschreiten, aufs Meer“, erklärt Thomssen.

Katrin von Harten-Wübbena

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