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Gegen den „blanken Hans“

Schweres Gerät ist gefragt, wenn die Deichbände Millionen investieren und die Nordseedeiche verbessern und erhöhen.

De nich will dieken, de mutt wieken" – wer nicht will deichen, der muss weichen, so heißt ein plattdeutsches Sprichwort an der Küste. Diese Warnung ist eindringlich, sie wurde schon immer peinlichst beachtet, und ihr wird auch heute noch strikt gefolgt.

Denn mit der Besiedlungsgeschichte Ostfrieslands ist eines schon immer eng verbunden gewesen: der Deichbau. Und der war wichtig und notwendig, befand sich das heutige Ostfriesland nach dem Ende der Eiszeit doch immerhin noch etwa 350 Kilometer im Landesinneren.

Zuerst waren es kleine Hügel, so genannte Wurten oder Warfen, auf die die Menschen sich zum Schutz vor dem „blanken Hans“ (so nennt der Küstenbewohner die tosende und raue Nordsee) später in unmittelbarer Lage am Wasser zurückzogen. Als „unglückliches Volk auf hohen Erdhügeln“ beschrieb der römische Feldherr Plinius der Ältere um 50 n. Chr. in seiner „Naturalis historia“ das armselige Leben der germanischen Chauken an der Küste zwischen Ems und Elbe.

Viel später dann kam man auf die Idee, nicht nur die eigene Wohnstelle, sondern auch das umliegende Ackerland mit einem „goldenen Reif“ (wie die Rüstringer in ihrer Verfassung schrieben) vor den salzigen Fluten zu schützen. Um 1200 nach Christi gab es dann den ersten geschlossenen Deichring entlang der Küste.

Aber nicht nur dem Schutz der Menschen dienten und dienen diese Küstenbollwerke, auch der Schutz und die Schaffung landwirtschaftlicher Flächen war wichtig, waren sie doch die Existenzgrundlage der Landwirte, die ihre Hofstellen unmittelbar in Küstennähe hatten. Die Harlebucht, vor Jahrhunderten durch eine Sturmflut geschaffen, wurde in Jahr- hunderten langer mühsamer Arbeit wieder eingedeicht, viele Groden entstanden und mit ihnen auch wertvolles Weideland. Und auch heute noch werden, wenn auch nur an wenigen Stellen, Lahnungen angelegt, um neues Land zu schaffen.

Heute bestehen die Nordseedeiche aus einem Sandkern, der von einer dicken und mit einer speziellen Rasensaat begrünten Kleischicht ummantelt ist. Das Gefälle auf den beiden Deichseiten ist unterschiedlich, seeseitig flacher, damit die anbrausenden Wellen sich „totlaufen“ können.

Aber trotz intensiver Deichbau- und Sanierungsarbeiten und trotz aller Spitzentechnologie auch im Deichbau, eine hundertprozentige Sicherheit vor dem „blanken Hans“ wird es nie geben. Und so ist der Deichbau kein abgeschlossenes Kapitel, er beschäftigt die zuständigen Ämter und Behörden ohne Unterlass.

 
Casamundo
 
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