 Jetzt schmeckt der junge Matjes richtig gut. |
Was ist ein Matjes? Es klingt holländisch
und ist es auch, leitet
sich nämlich ab von „meisje“ was
Mädchen heißt. Denn ein Matjes ist
ein mädchenhafter beziehungsweise
ein noch jungfräulicher Hering, der
noch nicht gelaicht hat. Im Frühjahr
muss er sich ordentlich Fett anfuttern,
damit er genügend Kraft in seinen Rogen
stecken und laichen kann.
Es passiert regelmäßig im Frühjahr,
wenn die Sonne das Meer zu erwärmen
beginnt und sich durch die
Photosynthese reichlich Plankton bildet
– die Lieblingsspeise der Heringe:
Dann ziehen sie aus den kalten, tiefen
Gewässern ihrer Winterruhe in großen
Schwärmen zu ihren Laichplätzen
in seichtere, wärmere Regionen. Sie
futtern sich damit in wenigen Wochen
dick und fett. Früher hieß es: Rund
um den Johannistag, das ist der 24.
Juni, – ein Tag übrigens, den sich
auch die Spargelliebhaber merken,
weil danach kein Spargel gestochen
werden darf, damit die Wurzelstöcke
geschont werden – haben sie dann ihren
optimalen Ernährungszustand erreicht.
In den letzten Jahrzehnten hat
sich der Beginn der Matjessaison um
einen ganzen Monat nach vorne verschoben
– dank der Erwärmung des
Meeres sind die Heringe früher geschlechtsreif.
Heute feiert man in Holland
den neuen Matjes bereits am letzten
Wochenende im Mai. Dann
bekommt die Königin traditionsgemäß
das allererste Fässchen mit den
besten, fettesten und zartesten Matjes
überreicht. Erst danach, ab dem 3.
Juni, tritt dann der neue Matjes seine
Reise zu seinen Liebhabern im Rest
der Welt an.
Ein Holländer hat sich vor mehr als
600 Jahren das Rezept ausgedacht, wie
man aus Heringen Matjes macht. Nötig
ist dazu das so genannte Kehlen:
Dafür wird der Fisch unterhalb der
Kiemen aufgeschlitzt, durch diese Öffnung
werden die Innereien herausgezogen,
ein Teil der Bauchspeicheldrüse
jedoch, der so genannte Pankreas,
bleibt drinnen. Die Fische werden mit
wenig Salz in ein Fass geschichtet, wo
das Enzym der Pankreas zusammen
mit dem Salz innerhalb von wenigen
Tagen die Heringe reifen lässt und aus
ihnen Matjes macht. Natürlich hat
menschlicher Erfindergeist längst in
diesen Ablauf eingegriffen und Methoden
entwickelt, nach denen die
ganze Sache nicht nur einfacher zu bewerkstelligen
ist, sondern auch rund
ums Jahr Matjes verfügbar macht.
Heutzutage werden die Heringe nämlich
bereits an Bord der Fangschiffe
tiefgefroren. So konserviert, stehen sie
rund ums Jahr im richtigen Alter zur
Verfügung, können aber bei Bedarf jederzeit
aufgetaut, eingesalzen und zu
Matjes gereift werden. Richtige Liebhaber
aber schwören auf den „echten“
Matjes, der direkt aus dem Meer eingesalzen
wird. |