 Gerade im Kurvenbereich ist beim Boßeln die ganze sportliche Fähigkeit gefragt. Im
Bild Ralf Rocker aus Reepsholt. |
Der Volkssport in Ostfriesland ist
nicht etwa Fußball oder Handball.
Beim Boßeln wird eine Kugel aus
Holz oder Gummi mit neun bis zwölf
Zentimetern Durchmesser mit voller
Kraft über die Straße geworfen.
Die Wurftechnik ähnelt der des Kegelns.
Der Arm wird beim Werfen zunächst
nach hinten bewegt und anschließend
mit einer schnellen
Bewegung wieder nach vorne geschnellt,
um die Boßel mit einer hohen
Geschwindigkeit loszulassen. Im
Gegensatz zum Kegeln findet diese Bewegung
jedoch im vollen Lauf statt,
um der Kugel eine höchstmögliche Geschwindigkeit
mitzugeben, vergleichbar
dem Anlauf beim Speerwurf. Der Werfer
kann dabei einen beliebig langen
Anlauf nehmen, wobei die Boßel beim
Erreichen der Abwurfmarkierung die
Hand des Werfers verlassen haben
muss, ansonsten ist der Wurf ungültig.
Spitzensportler treiben die Boßelkugel
400 Meter weit. Die Spielregeln sehen
vor, dass die Kugel von dort, wo sie liegenbleibt,
weitergeworfen wird. Eine
Mannschaft besteht aus fünf Spielern
und so wird bei einem Wettkampf
manchmal eine Strecke von zehn Kilometern
zurückgelegt.Die Straßen sind dabei abgesperrt oder so ausgewählt,
dass nur wenige Autos die Boßler stören.
Ein Wettkampf dauert etwa
zweieinhalb Stunden. Begleitet werden
die Boßler von „Käklern“ und „Mäklern“,
die alle Würfe mit wohlwollenden
Kommentaren begleiten.
Keine andere Region in Deutschland
ist dieser Sportart so verfallen, wie Ostfriesland.
Eine übliche Boßelsaison ist
im Winter und am Beginn des Frühjahres.
Dieses hat einen ganz simplen
Grund. ImWinter sind die Gräben,
die es in Ostfriesland zur Genüge an
den Straßenrändern gibt, zugefroren,
wodurch die Bergung der Kugel vereinfacht
wird. Um die Kugeln trockenen
Fußes bergen zu können sind spezielle
Klootsoeker (Kugelsucher, auch Kraber)
in den boßelnden Regionen im
Handel erhältlich. Diese bestehen aus
einer Stange (zum Beispiel Besenstiel)
mit einem daran befestigten Korb für
die Aufnahme der Boßel. |