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Nordsee-Urlaub-Magazin

DIE STIMMEN DES NORDENS
© NDR/Jochen Moseberg
Er sorgt bei vielen Norddeutschen für die ersten Lacher des Tages: Andreas Altenburg ist nicht nur Autor und Ideengeber der NDR2-Comedy "Wir sind die Freeses", sondern spricht auch alle Hauptrollen selbst.

Wenn sich Oma Rosi, Mutter Bianca und Enkel Sven Freese gemeinsam mit Untermieter Heiko Postel werktäglich ab 7.17 Uhr durch die Wirren des Alltags kämpfen, spricht Altenburg vielen aus der Seele.

NORDSEE-URLAUB: Herr Altenburg, um dieses Interview zu überschreiben, ist mir der Titel „Die Stimmen des Nordens“ in den Sinn gekommen. Sind Sie damit einverstanden?

ALTENBURG: Joa, das ist doch ganz schmeichelhaft. (lacht)

NORDSEE-URLAUB: Ich finde, die Überschrift trifft deshalb zu, weil, egal wo man hinkommt, jeder etwas mit „Frühstück bei Stefanie“ oder mittlerweile auch „Wir sind die Freeses“ anfangen kann. Wann ist Ihnen bewusst geworden, dass Sie Gesprächsthema in Norddeutschland sind?

ALTENBURG: Das war sicherlich noch zu „Frühstück bei Stefanie“Zeiten. Man selbst realisiert das, wenn man irgendwo zitiert wird oder man angesprochen wird. Oftmals verwenden Leute Floskeln in ihrem Privatleben. Als es auf einer Geburtstagsfeier hieß: „Milch und Zucker nehmt ihr selber“, ohne dass die Leute mich kannten und alle gelacht haben, war mir klar, dass das eine gewisse Breitenwirkung hat. Ähnlich ist es mittlerweile bei den Freeses. „Leg doch mal das Handy weg!“ und „Können wir nicht einmal wie eine normale Familie sein?“ sind wohl die Phrasen, die sich ein bisschen ins Alltagsleben der Norddeutschen eingebrannt haben.

NORDSEE-URLAUB: Wie schwer ist es Ihnen gefallen, mit Ihrer neuen Radio-Comedy an den Erfolg von „Frühstück bei Stefanie“ anzuknüpfen? Wie groß war der Druck?

ALTENBURG: Na ja, den macht man sich meist selbst. Natürlich ist das zunächst keine angenehme Aufgabe. Da man gegen sich selbst antritt, relativiert sich das Ganze. Aber fernab der Außenwirkung macht mir die Arbeit unglaublichen Spaß. Ich stand von Anfang an hinter dieser Familie und arbeite sehr gerne mit meinen Kollegen zusammen. Wenn das stimmt, kann gar nicht mehr so viel schiefgehen.

NORDSEE-URLAUB:
Ihre Berufsbezeichnung ist Redakteur. Trifft das zu? Wie würden Sie selbst Ihre Arbeit beschreiben?

ALTENBURG: Ich bin eigentlich ein klassischer Hörfunkredakteur. Diese ganze Comedy-Schiene ist für mich nur eine weitere journalistische Darstellungsform mit Kommentarfunktion. Insofern würde ich schon sagen, dass ich eher ein Redakteur als ein Gag-Autor bin. Ich versuche immer, den Themen einen seriösen Kern zu geben – so abwegig und beknackt sie auch daherkommen mögen.

NORDSEE-URLAUB: Wie generieren Sie Ihre Themen? Die Sendungen klingen danach, als würden Sie den Norddeutschen dafür „auf’s Maul“ schauen.

ALTENBURG: Nicht unbedingt bei der Themenakquise. Ich denke, das Geheimnis ist, dass man sich Sachen und Begegnungen merken kann und die dann beim Texten abrufen kann. Sicherlich passiert es mir manchmal, dass mir im Alltag etwas Witziges auffällt und ich es am nächsten Tag in eine Folge einbaue – so wie neulich, als mir ein Eichhörnchen auf den Kopf gepinkelt hat. Oder: Ich merke mir den Umstand, dass mir ein Eichhörnchen auf den Kopf pinkeln kann, recherchiere die Umstände, merke mir das und baue es ein, wenn es zum Kontext passt. Als es um das Thema Umzug ins Weiße Haus ging, habe ich mein Archiv abgerufen, mit den Ideen, die ich mir schon einmal zum Thema Umzug gemacht hatte.

NORDSEE-URLAUB: Das klingt, als wären Sie auch bei der Arbeit ein strukturierter Mensch. Inwieweit ist Comedy planbar?

ALTENBURG: Der Geistesblitz ist nicht unbedingt planbar. Man kann aber ein gutes Umfeld schaffen. Sie sind übrigens der Erste, der sagt, dass ich strukturiert denke. (lacht) Ich versuche das Ganze wie ein Handwerk zu betrachten. Wenn man seine Pflicht getan und sich ernsthaft mit einem Thema befasst hat, kommt der Witz oft von ganz alleine dazu. Ich würde sagen, 70 Prozent bestehen aus guter Vorbereitung, 30 Prozent aus Talent.

NORDSEE-URLAUB: Für viele, die ihr Geld damit verdienen, Leute zum Lachen zu bringen, war der Karriereweg deshalb vorgezeichnet, weil sie sich in der Schule schon als Klassenclowns ausprobiert haben. Wie war das bei Ihnen?

ALTENBURG: Och, ich war, glaube ich, schon immer ein ganz humorvoller und witziger Typ – allerdings nicht in der ersten Reihe. Meine damaligen Mitschüler sagen mir heute, dass es ihnen klar war, dass ich in diese Richtung gehe. Es klingt vielleicht kokett: Aber ich habe nicht früh in mir ein Talent erkannt. Es hat sich so ergeben.

NORDSEE-URLAUB: Ich habe gelesen, dass Sie gerne Dialoge aus Ihrem familiären Umfeld abbilden. Wie kommt das bei Ihrer Familie an?

ALTENBURG: Sowohl als auch. Ich glaube, Udo Martens’ „Allein schon“ geht auf meinen Sohn Jonas zurück, der das mal verwendet hat. Damit ist er dann natürlich der King seiner Clique gewesen. (lacht) Viele Leute meines Umfelds beziehen gewisse Geschichten auf sich, obwohl es gar nicht so ist. Wenn ich dann zu hören bekomme, ich hätte auf der Geburtstagsfeier wieder gut zugehört und eine Folge daraus gemacht, ist das ein gutes Zeichen. Auch wenn es vielleicht nur in zehn Prozent der Fälle zutrifft, zeigt es doch, dass sich offenbar so viele darin wiederfinden, dass sie die Geschichten auf sich beziehen.

NORDSEE-URLAUB:Was macht den norddeutschen Charakter für Sie aus?

ALTENBURG: Eine Gelassen- und Unbekümmertheit. Da wird nicht groß auf die Kacke gehauen. Das schlägt sich auch in diesem viel zitierten trockenen Humor nieder. So sind die Menschen, glaube ich, tatsächlich – die regt so schnell nichts auf. Da tanzt der Papst und die Leute stehen noch ganz nüchtern davor.

NORDSEE-URLAUB:Die Freeses sind im Sommer gerne unterwegs: Mal auf Mallorca, mal auf Borkum. Wie halten Sie es persönlich: Nordseeküste oder Spanien?

ALTENBURG: Da muss ich leider sagen – für Ihre Region – dass ich lieber auf Mallorca bin, weil wir da auch ein Haus haben. (lacht) Ich verbringe seit 20 Jahren jeden Sommer dort. Ich brauche das Vitamin D. (lacht)

Carsten Reimer

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