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Nordsee-Urlaub-Magazin

LEBEN ALS FISCHER - LEBEN MIT DER NATUR
© Klaus Händel
Von März bis Juli ist Fangsaison für Krabben, danach geht es mit Urlaubern zum Hochseeangeln.

Bernd Ostermoor aus Neuharlingersiel ist Fischer aus Leidenschaft. Die Fischerei wurde dem heute 35-Jährigen in die Wiege gelegt. Schon der Großvater war Fischer. „Trotz vieler anderer Möglichkeiten kommt für mich nichts anderes in Frage“, sagt Ostermoor.

Im Fischerort Neuharlingersiel aufgewachsen suchte er früh den Kontakt zu seinen heutigen Berufskollegen, den Krabbenfi schern. Und schon während seiner Schulzeit fand Bernd Ostermoor den Weg an Bord. „Als 15-Jähriger bin ich in den Ferien bei Kapitän Willi Jacobs auf dem Kutter „Gorch Fock“ gefahren und habe ihn bei den Angelfahrten mit den Urlaubern beim Makrelenfang begleitet, selbst geangelt und den Fang verkauft. Mehr Geld konnte ich als Schüler in den Ferien gar nicht verdienen“, erklärt Ostermoor seinen Einstieg in das Leben eines Fischers.

Nach dem Abitur 2000 in Esens führte ihn sein Werdegang zur Marine nach Eckernförde. „Zuerst wollte ich die Offi zierslaufbahn einschlagen, doch dann habe ich mich für die Fischerei entschieden.“ Ziel war eine Ausbildung auf dem Krabbenkutter „Gorch Fock“. Doch Kapitän Willi Jacobs hatte sich inzwischen entschieden, die Fischerei aufzugeben und bot stattdessen Ausfl ugsfahrten an. Bernd Ostermoor aber wollte Fischer werden. Über Willi Jacobs kam es zum Kontakt mit Heinz Steff ens, Kapitän und Eigner des Kutters „Möwe“ mit Liegeplatz in Bensersiel.

Das war 2001. Steff ens hatte die „Möwe“ erst ein Jahr zuvor in Bensersiel von Karl-Heinz Rieken gekauft. Darauf begann Bernd Ostermoor seine Ausbildung zum Küstenfi sch-er und ist bis heute geblieben. Dank des Abiturs konnte er gleich in das zweite Lehrjahr einsteigen und die Fischereischule in Rendsburg nach guten Leistungen schon im Jahr 2003 mit dem Gesellenbrief in der Tasche wieder verlassen.

Die Fangsaison für den Krabbenfi scher beginnt Anfang März und endet Ende Juli. „Danach – bis Mitte September – fahren wir auch mit der ,Möwe‘ mit Urlaubern zum Hochseeangeln hinaus, auf Makrele“, sagt Bernd Ostermoor. Hinzu kommen Ausfl ugsfahrten zu den Seehundbänken am Ostende Langeoogs oder ins Baltrumer Watt. „Bei Urlaubsgästen besonders beliebt ist das Schaufi schen“, erklärt Bernd Ostermoor. Dabei wird er für die Gäste an Bord zum Entertainer. Er zeigt und erklärt den Gästen, wie das Krabbenfi schen funktioniert – vom Fangen des Naturprodukts über die Verarbeitung an Bord bis zum Verkauf des hochwertigen Frischeprodukts aus der Nordsee. Für den Kutter „Möwe“ gibt es zwei Lizenzen: zum Fischen und zur Beförderung von bis zu 50 Personen. Zum Hochseeangeln kommen oft ganze Vereine oder Angler in Kleingruppen. Die Termine zu koordinieren, ist eine Herausforderung im Hintergrund. Bis eine Ausfahrt mit gut 30 Personen feststeht, sind bis zu 200 Telefonate erforderlich.

Von Mitte September bis kurz vor Weihnachten werden dann wieder Krabben gefi scht, sagt der 35-Jährige, der seit 2011 verheiratet und inzwischen Vater von zwei Kindern ist. Die Fischerfamilie, die sich in Neuharlingersiel ein Eigenheim geschaff en hat, steht hinter dem Beruf des Fischers. „Das ist nicht immer ganz einfach“, sagt Bernd Ostermoor. Das Leben als Fischer heißt Leben mit der Natur. Fischer sind wetter- und fangabhängig. „Die Fischerei ist ein harter Job, nicht was die Arbeit an Bord betriff t, sondern aufgrund der Arbeitszeiten“, erklärt Bernd Ostermoor. Die Fangfahrten dauern in der Regel 4 bis 5 Tage. Dann bleibt nur das Wochenende für Frau und Kinder. Manche Berufskollegen sind bis zu 10 Tage unterwegs. Auf dem Krabbenkutter Möwe fahren drei Mann. Während zwei fi schen und den Fang verarbeiten, kann der dritte Mann ruhen. Die Schlafzeiten sind dennoch unruhig. „Neben der Koje läuft der Schiff sdiesel, ein Hanomag-Henschel mit 300 PS. An Schlafen wie zuhause ist da nicht zu denken“, so Ostermoor. Und wenn es das Wetter auf See erforderlich macht, sind alle an Deck oder laufen den nächsten Hafen an.

2005 machte Bernd Ostermoor in Cuxhaven sein Kapitänspatent für Fischereifahrzeuge und nationale Schiffe bis 500 Bruttoregistertonnen. Damit dürfte er die Personenfähren zu den Ostfriesischen Inseln führen. Auch andere Schiffe, zum Ausbaggern der Häfen und Fahrrinnen oder bei der Wasserschutzpolizei stünden ihm offen. Doch Ostermoor möchte Fischer bleiben. „Deshalb fahre ich als Steuermann oder als Kapitän in Vertretung für Heinz Steffens auf der ,Möwe‘“, sagt Ostermoor. Finanziell ist er an den Fängen und den Urlaubsfahrten beteiligt. „Wenn ein Monat gut gelaufen ist, versuche ich, das im Folgemonat noch zu toppen.“ Zwischen den Fahrten bleibt Zeit für die Familie, Haus und Garten. Doch so richtig planbar ist das in der Fang- und Urlaubersaison nicht.

Erst kurz vor Weihnachten beginnt für den Fischer die ruhige Zeit mit Pflege- und Wartungsarbeiten. Sämtliche technische Anlagen an Bord, dazu gehören auch Funkanlagen, Löschsysteme und Rettungsinseln, müssen geprüft werden. „Alles wird von der Seeberufsgenossenschaft und dem Germanischen Lloyd jährlich abgenommen“, betont der Fischer. Nur wenn alles in Ordnung ist, dürfen Urlauber an Bord mitfahren. Im vergangenen Winter stand auch ein Werftaufenthalt in Wilhelmshaven auf dem Programm, für Malerarbeiten und kleinere Reparaturen. Die übrige Zeit gehört der Familie, zuhause in Neuharlingersiel oder im Urlaub.

Der besondere Reiz am Beruf und Leben eines Küstenfischers ist für Bernd Ostermoor die Abwechslung. Kein Tag, keine Woche und kein Jahr gleichen den vorausgegangenen. „Wir müssen mit den Naturgegebenheiten leben, mit Wind und Wetter. Da gibt es gute und schlechte Jahre.“ Das Arbeiten an der frischen Nord- seeluft, beim Fischen oder mit den Urlaubern, mit einem Bürojob zu tauschen, kommt für Bernd Ostermoor nicht in Frage. Immer wenn die Wintermonate ausklingen, freut er sich auf die jeweils nächste Saison.

Klaus Händel

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